Walking in the neon

 

Worin unterscheidet „Welcome To TheRobots“ sich von Deinem weiteren Projekt „The Disco Boys“ (seit 1995)?

Auch dort habt ihr früher auch einmal gerne mal elektronische 80s Klassiker in die Sets eingebaut. Bei „Welcome To The Robots“ geht es ausschließlich um die Ursprünge der elektronischen Clubsounds. Also alles nach Krautrock und dem kommerziellen Techno ab Ende der 80er. Kraftwerk war Ende der 70er sozusagen der Wendepunkt hin zu elektronischen tanz- und clubtauglichen Sounds. Es geht auch um die Zeit, als Musik nicht nur fürs Radio produziert wurde, sondern für das exklusive Erlebnis in den Clubnächten, denn ausschließlich dort konnte man die Musik der Zukunft hören.

 

Wie viele „elektronische“ Songs aus der Zeit von 1978 bis 1990 befinden sich in Deinem Archiv?

Ich besitze immer noch ca. 6 000 Maxi-Singles mit ausschließlich elektronischer Musik aus die-sem Zeitraum. Vieles davon ist bis heute nicht digital zu bekommen, da es sich noch im Dornröschenschlaf befindet. Zwischenzeitlich hatte ich aber insgesamt ca. 25 000 Vinyls, wovon ich alles ab ca. 1995 wieder verkauft oder entsorgt habe, da es praktisch wertlos ist und es diese Sachen so gut wie alle auch digital gibt. Den neuen Vinyl-Hype sehe ich eher kritisch und nur als vorübergehende nostalgische Erscheinung.

 

Wie suchst Du heute noch nach alten Titeln aus dieser Zeit?

Auf genrespezifischen Online-Sendern läuft mir ab zu zu noch der ein oder andere Titel über den Weg, den ich nicht kenne oder seit 30 Jahren nicht mehr gehört habe. Falls das nicht digital zu bekommen ist, bleiben eigentlich nur zwei Wege um an eine Vinyl zu kommen. Entweder die größte Online-Plattenbörse www.discogs.com, die so oder so eine Fundgrube an Informationen ist, die zu schlaflosen Nächten führt. Oder die größte physische Plattenbörse der Welt in Utrecht (zweimal im Jahr): www.recordplanet.nl

 

Vinyl oder .mp3, wofür schlägt Dein Herz?

Natürlich für Vinyl. Es gibt Disco Boys Veranstaltungen („Originals“), wo wir nur Vinyl spielen. Da merkt man ganz deutlich, dass das Arbeiten mit Platten mehr Spaß macht, und dass die Freude daran auch eine andere Energie auf das Publikum überträgt. Es geht eben nicht nur um die Quantität der Titel im „Koffer/Ordner“, sondern auch um das gewisse Etwas, was schwer zu beschreiben und für heutige, digitale DJs auch kaum nachzuvollziehen ist.

Es gibt bisher zwei „Welcome To The Robots“ Compilations (Vol. 1 & Vol. 2), die beide schon ausverkauft sind. Sind weitere Compilations in Planung?

Geplant waren natürlich mehr. Aber es wird immer schwerer, Titel für solche CDs zu lizenzieren. Entweder die Urheber sind nicht mehr zu ermitteln, oder die Labels und Verlage wollen die Titel nicht freigeben, da der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Was dann unterm Strich als Titel übrig bleibt ist nicht repräsentativ genug für mein Projekt.

 

Bei so viel geballtem Musikwissen vom Wandel der Disco- Musik zur Club-Musik, schreit es ja förmlich nach einem Buch, wie schaut es damit aus?

Mittlerweile gibt es ziemlich viele Bücher zu dem Thema, allerdings meistens eher Biografien. Oft von DJs der ersten oder zweiten Stunde. Meine Buchidee ist, einen Bogen von der Kunst der elektronischen Musik Anfang der Achtziger, wo die Technik noch ein Werkzeug für Kreative war, bis heute, wo die Presets der Musiksoftware kaum noch eine Idee voraussetzen, zu schlagen. Außerdem will ich die Veränderung der Clubkultur, dem Musikkonsumverhalten der Zielgruppen und dem allgemeinen Wesen der Musik dokumentieren.

 

Wenn Du an die Zeit im „Blitz-Club“ London, „Dorian Gray“ Frankfurt oder „Trinity“ und „Front“ in Hamburg denkst, wirst Du dann wehmütig oder bist Du froh, dass es diese Clubs heute nicht mehr gibt?

Die Welt dreht sich weiter. Diese Clubs waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Heute wären sie fehl am Platz. Für die, die dabei waren ist es gut, wenn man den Sound bei bestimmten Veranstaltungen nochmal in den Club holen kann. Junge Gäste sind oft erstaunt darüber, dass es alles schonmal gab, unter Umständen sogar authentischer.

 

Wohin geht die Reise noch mit den Robotern, gib uns einen Ausblick. Was würdest Du gerne noch alles realisieren?

Die Live-Gigs haben Potential, damit auf eine Art Tour zu gehen. Außerdem fände ich einen Gedankenaustausch mit Interessierten in Form von Podcasts oder Podiumsdiskussionen denkbar. Langfristig denke ich an eine TV-Doku zum Thema „Entstehung der elektronischen Club- und Subkultur in Deutschland“, die es in der Form noch nicht gibt.