Weltenbewegend. Migration macht Geschichten

Auf der ganzen Welt sind und waren Menschen in Bewegung

 
Auf der ganzen Welt sind und waren Menschen in Bewegung. Mit ihnen wandern auch Lebensstile, Sprachen, Musik, Kunst und Handwerk. Vieles, was für eine Kultur als „authentisch“ gilt, erweist sich auf den zweiten Blick als „Import“. Ausgehend von den eigenen Sammlungen greift das Weltkulturen Museum assoziativ Fragen auf, die zeigen, wie die verschiedenen Kulturen der Welt schon seit jeher im Austausch stehen: Ob historische Siedlungsbewegungen, Arbeitsmigration oder Globalisierung – Menschen und damit auch ihre unterschiedlichen Kulturen stehen in stetigem Austausch. Ist
Migration wirklich nur Ursache von Problemen? 

Eva Raabe, Leiterin des Weltkulturen Museums erläutert: „Kulturwandel ist ein bedeutendes Thema im Fach Ethnologie. Als ethnologisches Museum möchten wir vermitteln, dass menschliche Gesellschaften niemals statisch sind - Migration bedeutet nicht nur Flucht und Konflikt, sondern ist auch immer wieder ein Motor für neue Wege des Zusammenlebens und eine Quelle neuer Ideen.“

„Weltenbewegend“ thematisiert Migration, möchte aber das Bild von der meist als problematisch angesehenen Flüchtlingsbewegung durchbrechen und aufzeigen, welche vielseitigen Erzählungen mit Migration als Bewegung verbunden sind. Ausgehend von den eigenen Sammlungen greift das Weltkulturen Museum Fragen auf, die zeigen, wie die verschiedenen Kulturen der Welt schon seit jeher im Austausch stehen. Die Beispiele sind vielfältig und führen auch in Regionen, die dem ein oder der anderen bisher unter Umständen weniger vertraut waren. So berichten sie von der austronesischen Migration in den Pazifik oder der kulturellen Aneignung zunächst fremder Musikinstrumente in Indonesien. Beispielsweise ist die Rebab heute „typisch“ für die traditionelle Hofmusik Javas und Balis und doch kam dieses Saiteninstrument vermutlich im 15. Jahrhundert über arabische Gewürzhändler in das heutige Indonesien. Die präsentierten farbenfrohen Waxprints werden  häufig als „afrikanische Stoffe“ bezeichnet, dabei ist ihre Geschichte eng verbunden mit kolonialen Handelswegen und der globalen Verbreitung von Techniken und Stilen. Einzelne Beispiele zeigen die Verschmelzung und den Import religiöser Praktiken über Kontinente hinweg, thematisieren aber auch moderne Reisekultur.

Für die Ausstellung wurden Filme über die religiöse Präsenz von Migrantinnen und Migranten in Frankfurt in Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaften der FH Mainz produziert. Was eine portugiesische Bäckerei, ein thailändisches Massagestudio und ein japanisches Restaurant in Frankfurt gemeinsam haben können, wird im Raum „Altäre in Frankfurt“ sinnlich erfahrbar. Ausgewählte Schlüsselobjekte in den Foyers der Ausstellung geben einen Überblick über die Bandbreite an Themen und repräsentieren zudem auch die Vielschichtigkeit der Exponate aus den museumseigene Sammlungen. Das mollukkisch-niederländische Künstlerkollektiv Teru zeigt seine Portraits von Niederländerinnen molukkischer Herkunft. Aus der umfangreichen Ostindonesien-Sammlung des Museums wurden Objekte im Dialog mit den portraitierten Frauen ausgewählt, um deren individuelle Geschichten zu unterstreichen. Weltkulturen Museum, Schaumainkai 29, 60594 Frankfurt, www.weltkulturenmuseum.de

 

Foto: Wolfgang Günzel