GESCHLOSSEN

Wer dieser Tage spontan in sein Stammlokal einkehren will, dem kann es passieren, dass er vor verschlossenen Türen steht und erst vor Ort das Schild ihm einen Hinweis auf einen weiteren Ruhetag gibt. Die Folgen der Pandemie, die Inflation und vor allem die fehlenden Mitarbeiter in Küche und Service zwingen viele Gastronomen zu teils drastischen Schritten; manch einer kann erst gar nicht eröffnen.


VMeine Lieferanten erzählen mir wahre Schauermärchen von Kunden, die ihr fertig gebautes Restaurant nicht öffnen können, weil Ihnen schlichtweg das Personal dazu fehlt. Ich kenne persönlich viele Kollegen, die weitere Ruhetage einführen oder gar mittags schließen, um mit dem wenigen Personal, das nach der Pandemie geblieben ist, einen Betrieb zu gewährleisten. Andere wiederum lehnen Caterings oder die Teilnahme an Straßenfesten aus den gleichen Gründen ab. Die Folgen der Pandemie treffen die Branche hart. Über 15.000 Mitarbeiter haben Alleine in Hessen in dieser Zeit der Branche den Rücken gekehrt und eine Rückkehr oder Nachwuchs sind nicht in Sicht. Die Berufsschule vermeldet so wenig neue Lehrlinge wie noch nie. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt und die Integration von Flüchtlingen und Quereinsteigern wird Jahre Anspruch nehmen. Als wäre da nicht schon schlimm genug, treffen die Inflation und der Ukraine-Krieg die Gastronomie mit voller Härte. Die Einkaufspreise steigen täglich, dazu sind viele Produkte nicht lieferbar. Der Gastwirt wird gezwungen, seine Preise täglich neu zu kalkulieren, wohlwissend, dass er die Preiserhöhungen in letzter Konsequenz nicht vollständig an den Gast weitergeben kann. Zurecht steigende Mindestlöhne kommen in dieser Situation zu Unzeiten.

Die Probleme sind zum großen Teil hausgemacht und Konsequenz jahrelanger Misswirtschaft in den Betrieben. Krieg, Inflation und Pandemie sind lediglich Brandbeschleuniger. Was also tun? Transparenz dem Gast gegenüber ist wichtig. Die Inflation spürt dieser ja am eigenen Leibe, aber die Personalsorgen des Betriebes interessieren ihn in der Regel recht herzlich. Oft herrscht gar die Meinung vor, dass der Gastronom ja während der Pandemie durch Steuergelder gerettet worden sei und er ja jetzt besser dastehe, als vor der Pandemie. Das ist schlichtweg absurd.

Die Branche braucht frische Ideen. Die Branche muss ein besserer Arbeitgeber werden und in der Lage sein, jungen Menschen wieder eine Perspektive zu geben. Was die Branche aber am meisten benötigt, ist das Verständnis des Gastes, wenn er mal wieder vor einer verschlossenen Tür steht.

 

Foto: Adobestock – Heiko Kueverling